Geburtsbericht einer wunderschönen Hausgeburt

Es ist der 19. September, der errechnete Geburtstermin. Ich habe schon seit Tagen immer mal wieder Wehen, manchmal sogar einige regelmäßige, aber nur wenige, die man veratmen müsste, daher mache ich mir darüber nicht allzu viele Gedanken. Ich fühle mich nur ein bisschen, als wäre es meine erste Geburt, weil die Geburt von Linus per Einleitung nicht wirklich „normal“ verlief, ich erst gar keine Wehen hatte und dann später auch rückblickend, keine richtigen Wellen bis zu den Presswehen wahrgenommen habe. Ich weiß also gar nicht richtig, wie es sich wohl anfühlt, wenn es richtig losgeht.
Heute jedoch hab ich das Gefühl, irgendwas ist anders und ich bin etwas unruhig. Ich schreib meiner guten Freundin schon am Morgen, dass ich das Gefühl habe, das Baby kommt heute oder morgen und dabei habe ich an dem Tag noch keine einzige Wehe! Wie recht ich doch haben werde. 😉

Kurz danach fängt es wirklich an, dass mein Bauch wieder regelmäßig hart wird, ab und zu leicht schmerzhaft, aber meistens gar nicht schlimm. Gegen 13 Uhr kommt meine wundervolle Hebamme Marliese und schreibt das erste CTG in dieser Schwangerschaft bei mir, die Termine hab ich bisher erspart und die gesamte Vorsorge bis auf 2 Termine ausschließlich über sie bei mir zuhause machen lassen. Außerdem untersucht sie mich und sagt, sie könne nichts versprechen, aber bei diesem Befund geht sie von den nächsten 1-2 Tagen aus. Auf dem CTG habe ich regelmäßige Wehen alle 6 Minuten, die ich aber nicht spüre. Marliese verabschiedet sich wieder und sagt, sie entfernt sich nicht weit und legt alles so, dass sie schnell wieder bei mir sein kann. Ich soll ihr Bescheid sagen, sobald sich etwas ändert und ihr ab und zu einen Status geben. Ich habe ab diesem Zeitpunkt alle 7 Minuten Wehen, mitunter sogar häufiger, und ab dem nachmittag auch leichte Blutungen und ich bin mir nun auch sicher, dass es bald so richtig losgeht. Zum Glück hat Andi heute schon um 15:15 Uhr Feierabend, denn sonst wäre das so ziemlich der Zeitpunkt gewesen, wo ich ihn gebeten hätte, zu kommen, da er ca. 45 Minuten Fahrtzeit von der Arbeit nach Hause hat. Er bringt den Großen noch von der Kita mit und ich mache mir Gedanken, was wir wohl mit ihm tun. In meiner Vorstellung war Linus zwar meistens anwesend bei der Geburt, aber meine Hebamme sagte bereits von Anfang an, dass sie es nicht gut findet, da die meisten Frauen, sich da schwer tun und sich weniger auf die Geburt selbst einlassen können, er solle bitte versorgt sein. Außerdem geht sie davon aus, dass es nicht losgeht, so lange ich mich um ihn kümmern muss. Ich frage also meine Schwester vorsorglich, ob er heute Nacht bei ihr schlafen kann. Wenn es noch am Tage ernst wird, kann er jederzeit zu den Nachbarn. Und tatsächlich, als Linus und Andi da sind, verändert sich erstmal nichts mehr. Die Wellen sind nach wie vor häufig, mal schmerzhaft, mal weniger schmerzhaft, aber das gleichbleibend über einige Stunden. Ich schicke Marliese einen Screenshot von meiner Wehenzähler-App, wo meist 6 Minuten Abstände, aber mitunter auch 3-4 Minuten dabei sind, nur eben meistens gut aushaltbar. Wir telefonieren und sie sagt, sie denkt, es wird sich entscheiden, wenn der Große weg ist. Entweder ich kann mich dann nochmal entspannen oder es geht so richtig los. Beides wäre ja gut für mich. Um 20:00 Uhr kommt meine Schwester und um 20:30 Uhr sind Andi und ich allein. Ich bin aufgeregt, aber beschließe, mich hinzulegen und zu schauen, ob ich entspannen kann. Andi und ich hören die „Regenbogenentspannung“ von der Hypnobirthing-CD und lachen doch ziemlich, weil er mitmacht und sich immer wieder fragt, wie er jetzt nochmal seine Gebärmutter entspannen soll 😂 Irgendwann beschließen wir, wir versuchen zu schlafen und tatsächlich, es gelingt. Als ich um 00:11 Uhr aufwache, nicht mal wegen einer Wehe, sondern weil ich Pipi muss, bin ich geradewegs enttäuscht und traurig, dass es wohl doch nur Fehlalarm war und am Ende gar nichts mehr passiert. Als ich jedoch wieder im Bett liege, hab ich direkt ne schmerzhafte Wehe, aber ich versuche weiter zu schlafen. Abschalten kann ich aber doch nicht richtig und habe nach etwa 20 Minuten die nächste Wehe. Weitere 15 Minuten später wieder eine. Ok, die tun echt richtig arg weh, denk ich mir, aber das ist ja viel zu selten im Vergleich zu dem, was ich ja den ganzen Tag über hatte. Ich stehe auf und mache mir einen Tee, den Marliese mir bei Überschreitung des Geburtstermins empfohlen hat, bestehend aus Nelken, Ingwer, Zimt und Eisenkraut. Die schmerzhaften Wehen alle 15-20 Minuten bleiben, Andi will ich deswegen nicht wecken, aber um 2:20 Uhr wacht er auf, als ich eine etwas lauter vertonen muss. Er fragt mich, wie es mir geht und ich erzähle es ihm, während wir uns unterhalten, bekomme ich nun alle 7 Minuten schmerzhafte Wehen. Es wird also mehr, wieder wie am Vortag. Er fragt, ob er die Hebamme anrufen soll. Ich sage Nein, denn die Abstände kenne ich ja schon… Doch da geht es Schlag auf Schlag. Ich habe zwischen 2:40 Uhr und 2:50 Uhr 3-4 Wehen. Andi sagt, er ruft jetzt doch an, ich will jedoch noch schnell in die Badewanne, schauen, ob es denn dort auch bei den Abständen bleibt. (Wenn er sich durchgesetzt hätte, wäre Marliese rechtzeitig gekommen…!) So sind es genau die 5 entscheidenden Minuten später, nach denen ich in der Badewanne rufe “bitte ruf sie an“ – was er dann um 2:57 Uhr auch tut. Ich geh wieder raus aus der Wanne, weil ich keine gute Position mehr finde und das Gefühl habe, ich muss mich mehr bewegen. Ich rufe „ich brauch mal ne Pause“, „das ist so anstrengend“, „ich kann nicht mehr“. Ich erinnere mich an den Geburtsvorbereitungskurs und dass das schon die Übergangsphase sein könnte, es jetzt wohl nicht mehr so lange geht. Und ganz plötzlich überkommt mich auch schon das Gefühl, pressen zu müssen. Ich fasse nach unten und spüre den Kopf zwischen meinen Beinen. Jetzt krieg ich einen Anflug von Panik. Ich bin verzweifelt und rufe: „Mann, Marliese soll jetzt kommen.“ (Selbst schuld! 😅) Andi sagt, sie ist bestimmt jeden Moment da. Ich sag zu ihm – „Das Baby kommt jetzt, du musst es auffangen.“ Jetzt kriegt er auch Panik. Er rennt schnell zur Haustür und öffnet diese, damit die Hebamme einfach reinlaufen kann, wenn er nicht mehr öffnen kann. Wieder zurück, kommt schon die Wehe, in der der Kopf geboren wird. Andi macht sich bereit und bei der nächsten Wehe gleitet unser Baby in seine Arme. Ich schaue nach unten und sehe diesen kompletten neuen Menschen und dass es ein Mädchen ist. Es ist ein unfassbarer Moment voller Glückseligkeit und Rührung, in dem für uns die Zeit still steht. Leni schreit sofort und so wie ich das sehe, ist sie kerngesund, hat eine rosige Hautfarbe und ich bin so wahnsinnig erleichtert, dass alles gut ist. Andi schaut nach der Uhrzeit, es ist 3:18 Uhr, danach ruft er Marliese an, um ihr zu sagen, dass das Baby da ist. Sie sagt, sie parkt gerade ein und dass wir es gut einpacken sollen. 5 Minuten nach der Geburt ist sie da und keine weiteren 5 Minuten später wird die Plazenta geboren.
Wir sind einfach mega glücklich über dieses Wahnsinns-Erlebnis. Es war zwar nicht so geplant, aber dass der Papa den Part der Hebamme übernehmen konnte, war einfach unglaublich schön! 💚

Wir sind nach wie vor überglücklich, den Weg einer Hausgeburt gegangen zu sein und ich möchte auch hier einfach mal dafür plädieren – Bekommt mehr Kinder! Habt Vertrauen in euch und euren Körper. Es war für mich wunderbar und ich habe jeden Tag mehrmals gesagt, wie schön es doch ist, dass ich einfach zuhause bin, nicht los musste, kein Krankenhaus – einfach meine heimische Umgebung, der Ort, an dem ich am wohlsten fühle!

P.S. Wer denkt eine Hausgeburt wäre eine schmutzige Angelegenheit oder man könnte hinterher renovieren 😂 – das ist nicht annähernd der Fall. Bei uns war es ein Badvorleger und ein paar Handtücher, die Marliese sogar noch für uns in die Waschmaschine gesteckt hat. Als ich mein Badezimmer das nächste Mal betreten habe, war schon nichts mehr zu sehen. Und der Raum wird wohl ewig ein magischer Ort für uns bleiben. 😊

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.