Sri Lanka mit Kind: Die etwas andere Reise abseits des Banana Pancake Trails

Hier ist es etwas ruhig geworden in der letzten Zeit, denn wir stecken bereits mitten in den Vorbereitungen für unsere Reise nach Sri Lanka in 3 Wochen. Diese Reise wird anders als die anderen, anders als die Backpackingabenteuer ohne Kind und komplett anders als letztes Jahr noch mit Baby in Thailand.
Nicht nur, dass wir im Gegensatz zum letzten Jahr in Thailand wieder mit dem Rucksack anstelle von Koffern unterwegs sind, wir wollen auch diesmal so richtig den „Banana Pancake Trail“ verlassen. Also auch abseits der üblichen Routen reisen, wo kein Reiseführer mehr weiter weiß und wo laut Aussagen von Einheimischen noch nie ein Tourist zuvor war. Natürlich stürzen wir uns nicht ins Ungewisse oder ins totale Risiko der fremden Kultur und Sprache ohne zu wissen, wie es weitergeht, sondern wir haben das große Glück, ein paar Tamilen, die im Bürgerkrieg schon vor 30 Jahren als Kinder nach Deutschland geflüchtet sind, zu unseren engen Freunden zählen zu dürfen. Der Bürgerkrieg ist inzwischen seit einigen Jahren vorbei, das Land befindet sich wieder im Aufbau und erholt sich von all den schlimmen Schicksalsschlägen, die es in seiner Geschichte durchmachen musste. Dazu zählt auch der Tsunami 2004, der in Sri Lanka sogar ein Vielfaches mehr Todesopfer forderte als in Thailand.

Das alles führt dazu, dass die meisten Reisenden ihre Ziele eher im Süden oder zentral im Hochland wählen, den Norden besuchen noch immer die wenigsten, denn hier haben die schlimmen Kämpfe stattgefunden. Hier hat auch die Flut mitten im Krieg noch ganze Orte weggerissen. Wir haben in den letzten Tagen viel Zeit mit unseren Freunden verbracht, viel erzählt über die Geschichte, Erlebnisse, Kultur, einfach Gedanken ausgetauscht und viel gelernt über ein Land, das wir bisher noch nie gesehen haben.

Wenn wir also in Colombo ankommen, werden wir mit dem Zug direkt in den Norden fahren. Und unser erstes Ziel wird Kilinochchi sein:

Dort wollen wir ein paar Tage bei der verbliebenen Familie bleiben und das echte Leben der Einheimschen kennen lernen, wie wir das wahrscheinlich noch nie zuvor woanders erleben durften. Vor allem interessieren uns in den Folgetagen die Stadt Jaffna, die Inseln – Analativu, wohin es keinerlei touristischen Verbindungen gibt, sondern laut allem was wir bisher wissen, nur Fischerboote fahren.

Sehr wichtig ist es uns, ein Waisenhaus zu besuchen und ein kleines bisschen Hilfe hinzubringen. Die Initiative zum Bau dieses Waisenhauses, dem Children’s Home in Mullaitivu wurde durch unseren Freund gestartet und daraus entstand ein riesiges Projekt der Tamilischen Rehabilitations Organisation (TRO), welches dazu geführt hat, dass dort jetzt über 100 Kinder versorgt werden und Schulunterricht erhalten.

mullaitivu

Irgendwie habe ich schon jetzt das Gefühl, dass uns diese Reise verändern wird. Jede unserer Reisen in den vergangenen Jahren war etwas Besonderes und so ist es auch diese.
Wir werden mit unserem kleinen Kind tief einsteigen in ein einfacheres Leben in einem anderen Land und einer fremden Kultur und vermutlich viel mit der Geschichte konfrontiert werden. Wir werden viel lernen und sicher auch wieder einiges über uns selbst. Und während wir so darüber nachdenken, fällt uns auf, wie dankbar wir für diese Chance sein sollten. Heute, bei uns in Deutschland, hat fast jeder die Chance, wenn er es möchte und bereit ist, dafür zu sparen, eine Reise an nahezu jeden Ort unserer Erde zu machen. Und wenn ich an unsere eigene Geschichte zurückdenke, Andi und mich, die beide in einem Land geboren wurden, das es heute nicht mehr gibt, das durch eine Mauer von der Bundesrepublik Deutschland abgetrennt war und deren Eltern froh sein durften, wenn sie mal Ungarn oder Bulgarien gesehen haben, dann weiß ich, dass auch hier dieses Privileg etwas besonderes sein sollte.
Stattdessen haben viele Menschen bei uns eher Angst vor dem Fremden und eher davor, dass man ihnen etwas wegnehmen könnte, anstatt sich zu freuen, geben zu können. Wir alle konnten uns nicht aussuchen, wo wir auf die Welt kommen, welche familiären, finanziellen und vor allem politischen Gegebenheiten uns in die Wiege gelegt werden.

Daher ist es mir persönlich wichtig, nicht die Augen davor zu verschließen, wie unsere Welt noch aussieht. Natürlich reist auch ein bisschen die Angst mit und der Respekt davor, mal keine vorgetrampelten Pfade zu betreten mit einem noch so kleinen Kind. Deswegen versuche ich so ich gut es geht, mich im Voraus darauf vorzubereiten, was auf uns zukommt. Ich verfalle auch mal in Panik, aber der Optimismus, dass alles gut geht und die Vorfreude siegen doch meistens

Wir freuen uns natürlich auch sehr auf den weiteren Verlauf der Reise, wo wir die typischen Reiseziele wie die Tempel, Teefelder und sicher atemberaubenden Berge Sri Lankas besuchen werden und, wenn wir es schaffen, vielleicht auch noch einen schönen Strand im Süden. So wird es hoffentlich eine gute Mischung aus allem. Denn am Ende soll es ja eines sein: Ein Tapeten- und Perspektivwechsel, Urlaub und ganz viel Zeit gemeinsam als Familie!

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