Hilfe! Mein Baby hat eine Zecke! Natürlicher Zeckenschutz?

Wir waren am Sonntag auf einer wundervollen Party zum 1. Geburtstag bei einer Grillhütte an einem See… Viel Platz und eine große Wiese zum Spielen für die Kinder – unser Outdoor-ich-will-nicht-drinnen-sein-Kind hat das auch sichtlich genossen und sich über die Wiese gerollt, gelacht, ist viel umher gerannt, und hat noch mehr entdeckt. Leider hat ihn dort aber auch seine erste Zecke entdeckt.

Wir wohnen in Baden-Württemberg in einem absoluten Risikogebiet für durch Zecken übertragbare Krankheiten und obwohl die Gefahr ja eigentlich immer gegeben ist, haben wir uns wohl doch zu wenig Gedanken darüber gemacht. Natürlich hat uns das beim ersten Mal in totale Panik versetzt und wir haben schnellstmöglich die Zecke entfernt – ohne jedoch einen richtigen Plan zu haben.

Damit du beim nächsten Mal besser vorbereitet bist als wir es waren, habe ich jetzt aber doch mal alle Informationen meiner Recherchen zusammengestellt, über Mythen, die richtige Technik zur Entfernung und natürlichen Zeckenschutz, wenn man sein zartes kleines Kind nicht gerade mit viel Chemie belasten will.

Zecken richtig entfernen – links drehend? rechts drehend?

Natürlich entflammte als erstes eine heiße Diskussion, wie man die Zecke nun richtig entfernt. „Auf jeden Fall im Uhrzeigersinn rausdrehen“ – „Das ist Quatsch, die darf man auf keinen Fall drehen!“ … Auf jeden Fall – da waren wir uns einig – sollte man eine Pinzette oder idealerweise eine Zeckenzange parat haben. Die Empfehlungen zur Entfernung haben sich in den letzten Jahren immer mal wieder geändert, im Endeffekt ist es aber so, dass es nur darauf ankommt, die Zecke aus der Haut zu ziehen, dabei kann Drehen in eine beliebige Richtung hilfreich sein, ist aber nicht notwendig. Wichtig ist jedoch, möglichst nah an der Haut anzusetzen um auch alles zu erwischen.

Bei der Panik, dass der Kopf stecken bleiben könnte und sich alleine weiter frisst, handelt es sich jedoch um einen Mythos. Sollte wirklich mal ein Teil der Zecke stecken bleiben, so wird dieser vom Körper abgestoßen.

entfernen
Quelle: zecken.de

Die Zecke ist raus, was nun? Was kann passieren?

Natürlich bin ich kein Arzt und daher gleich mal vorweg: Wenn du dir unsicher bist, geh bitte sofort zu einem Arzt!
Du hast die Zecke aber entdeckt und kannst die Einstechstelle beobachten, sollte sich eine Rötung darum weiter ausbreiten – ebenfalls ab zum Arzt!
Ohne dir Angst machen zu wollen, es gibt wirklich eine eine Menge Effekte, die eine Zecke auf den Menschen haben kann, angefangen bei allergischen Reaktionen bis hin zu den am meisten gefürchteten FSME und Borreliose, ausgelöst durch Viren bzw. Bakterien, für welche die Zecke als Wirt dient. Hier kurz ein Überblick über letztere beiden und meist gefürchteten Krankheiten, die durch Zecken ausgelöst werden:

FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis)

„Auch in den FSME-Risikogebieten Deutschlands (2) sind nur wenige Zecken mit dem FSME-Virus infiziert. Nur diese wären auch in der Lage eine Infektion zu verursachen. Aus zahlreichen Studien wissen wir, dass die Virusprävalenzen in den Zecken kleinräumig sehr stark schwanken können. Im Mittel liegt sie bei 0,1% bis 3,4% oder auch noch geringer (4) (5). Hieraus ein Risiko nach erfolgtem Zeckenstich abzuleiten, ist im Einzelfall nicht möglich. Nach einer Infektion entwickeln bis zu 30 Prozent der infizierten Personen Symptome einer FSME.“
Quelle: Robert Koch Institut

Sie tritt somit zwar selten mit Symptomen auf (statistisch aus den Angaben des RKI abgeleitet also bei weniger als jedem 2000. Zeckenstich), lässt sich aber nur schwierig behandeln und kann zudem in noch selteneren Fällen tödlich enden. FSME äußert sich laut Wikipedia nach ca. 2-20 Tagen mit Fieber und grippeähnlichen Symptomen. Sollte das auftreten bitte wirklich schnellstmöglich zum Arzt und den Arzt /die Ärztin auf den Zeckenbiss hinweisen!

Borreliose

„Das Vorkommen von Borrelien in Zecken schwankt sowohl regional als auch kleinräumig sehr stark und kann bis zu 30% betragen. Es gibt Studien, die gezeigt haben, dass bei etwa 5% der Personen, die von einer Zecke gestochen worden sind, eine Infektion auftritt […] In Deutschland tragen 5,8% der Frauen und 13,0% der Männer Antikörper und haben somit mindestens eine Infektion durchgemacht. Nur ein sehr kleiner Teil der Infizierten, rund ein Prozent, entwickeln Krankheitssymptome. […] Das Infektionsrisiko steigt nach einer Saugzeit von mehr als 12 Stunden. Entfernt man die Zecke frühzeitig, ist das Übertragungsrisiko daher nur sehr gering.“
Quelle: Robert Koch Institut

Die Borreliose macht sich vor allem durch Rötungen und Entzündungen der Haut sowie ebenfalls grippeähnliche Symptome bemerkbar. Dies kann bis zu 3 Monate nach dem Zeckenstich auftreten. Borreliose wird in 3 Stadien klassifiziert. Im 2. Stadium kann diese Organe befallen und im 3. Stadium sogar tödlich enden. Daher ist es auch hier sehr wichtig, auf die Symptome zu achten und die Borreliose möglichst früh zu behandeln, denn dann kann sie häufig mittels Antibiotika vollständig geheilt werden.

Hier wollte ich nur einen Überblick über die Krankheiten geben, aber nochmals zum Schluss der Hinweis, bitte frage bei Unsicherheiten lieber deinen Arzt!

Vorsorge! Natürliche Zeckenschutzmittel ohne Chemie

Das Beste was man gegen Zecken tun kann? Gar nicht erst welche bekommen! Ich bin kein großer Fan der vielen auf dem Markt erhältlichen Repellents, vor allem, wenn es um die zarte Haut eines 1-Jährigen geht. Daher bin ich immer wieder dankbar für Tipps, wie man Zecken und andere Insekten noch abwehren kann.
Hier ein paar Tipps von mir:

  • Kokosöl! Mein absolutes Lieblings-Naturprodukt! Kokosöl besteht aus bis zu 60% Laurinsäure und Zecken mögen keine Laurinsäure, zumindest hat das eine Studie an der FU Berlin ergeben
    Also neben der tollen Wirkung auf die Haut, dem wenn auch minimalen UV-Schutz, noch ein Grund, sich mit Kokosöl einzuschmieren, wenn man in der Natur unterwegs ist
    Quelle: Prevention of infectious tick-borne diseases in humans: Comparative studies of the repellency of different dodecanoic acid-formulations against Ixodes ricinus ticks (Acari: Ixodidae) http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18397516
  • Schwarzkümmelöl – Ein Regensburger Schüler hat herausgefunden, dass der Verzehr von Schwarzkümmelöl dazu führt, dass man von Zecken gemieden wird. Somit ab und zu mal hier und dort im Essen Schwarzkümmelöl verwenden oder am Tag vor einem größeren Ausflug in der Natur einen kleinen Löffel zu sich nehmen. Soll auch gegen Heuschnupfen helfen, also immer rein damit
    In Südeuropa, Westasien, Indien und Nordafrika ist das Öl wegen seiner vielfältigen positiven Wirkung bereits sehr verbreitet.
    Quelle: Jugend forscht Bayern
  • Last but not least, was natürlich immer hilft ist dichte Kleidung, die möglichst hell und einfarbig ist. Shirts in die Hose wie es schon Steve Urkel vorgemacht hat, und am besten noch lange Hosenbeine in die Socken stecken.

Wir passen jetzt jedenfalls wieder ein bisschen besser auf und wissen aber auch, dass sich niemand verrückt machen braucht. Aber es immer gut, informiert zu sein. Egal worum es geht und in diesen Zeiten kann man es gar nicht oft genug erwähnen: Informieren ist ganz arg wichtig, Leute!

 

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