14 Monate – Im Wachstumsschub

Heute ist unser Baby genau 62 Wochen und 4 Tage alt. (Ich bin zwar Erstlingsmama, aber natürlich zähle ich selbst die Wochen auch nicht mehr mit  😉 , da gibts ja auch Rechner im Internet für, die das übernehmen…) Seit der Geburt wurde mir immer wieder das Buch Oje, ich wachse! von Hetty van de Rijt und Frans X. Plooij ans Herz gelegt. Obwohl ich Baby- und Kleinkindliteratur verschlinge (vor allem wenns ums Thema Attachment Parenting geht), wurde ich nicht so richtig warm damit. Irgendwie klingt es doch so ein bisschen nach einem neuen Mantra, das wir uns vorsagen können. Das Kind ist schwierig? Es hat einen Entwicklungssprung! Neben „Es ist gerade Vollmond“, „Vielleicht kommen die Zähne“, „das ist halt die Trotzphase“ ein gern hergenommener Grund für ein unausgeglichenes Kind.
Die Wahrheit ist doch, wir wissen’s nicht, jedes Kind entwickelt sich ganz individuell und macht ganz individuelle körperliche und mentale Wachstumsschübe durch. Das kann nur eine weitere Bestätigung dafür sein, dass mein Kind gerade viel neues erfährt. Es tut sich so viel im kleinen Gehirn, es werden ständig Milliarden neuer Synapsen gebildet, Schub hin oder her. Ohne Grund weint ein Kind dennoch so gut wie nie, auch wenn wir den vielleicht nicht verstehen!
So denke ich – eigentlich – ertappe mich aber immer wieder dabei, nachzuschlagen, was van de Rijt und Plooij wohl zum aktuellen Zeitpunkt zu meinem zeitweise auch mal unausgelichenen Kind sagen, das sich so ganz anders verhält als die Wochen zuvor.

Momentan ist der Kleine wieder wie ausgewechselt. Weint, schreit, scheinbar ohne Grund und lässt sich auch nicht trösten. Selbst hochnehmen und kuscheln wird abgewehrt. Stattdessen auf den Boden geworfen, und sich der Wut ganz hingegeben. Wenn Mama anwesend ist, ist Papa kaum gut genug und mir wird nicht von der Seite gewichen. Da Linus seit 1.4. in der Kita ist und seit 2 Wochen nun auch bis zu 6/7 Stunden am Tag, habe ich es zunächst darauf geschoben und mir wirklich den Kopf zerbrochen. Wie immer tut es gut und ist es wichtig, sich mit anderen auszutauschen. Und siehe da, fast alle Mamis mit Kindern im gleichen Altern haben dasselbe Problem. Hier scheint wohl wirklich ein großer Sprung im Gange zu sein, der schlimmste den wir bisher erlebt haben! Aber vielleicht habe ich das bei den anderen auch schon gesagt 🙄 …

Als ich damals mit meinem Neugeborenem zuhause im Wochenbett war, hat mich die ein oder andere Situation schon richtig mitgenommen, der Babyjunge hat schon mit 6 Wochen Autofahren gehasst, als wäre es die Höchststrafe, ich konnte nie schlafen, wenn er schläft, wollte doch irgendwie, dass der Haushalt perfekt ist (Dinge, die sich ganz klar verschoben haben in den Monaten seitdem  😳 ) und habe mich nicht immer überglücklich mit meinem neuen Leben, den auf mich einprasselnden Hormonen und vor allem der Verantwortung für das noch so winzige, zarte Leben gefühlt. Wenn ich das so schreibe, wird mir bewusst, was für eine wahnsinnige Wandlung ich seither durchgemacht habe, aber das ist sicher ein anderes Thema und einen eigenen Artikel wert. Worauf ich eigentlich hinaus wollte, man kommt immer wieder an Punkte, an dem man denkt, wie anstrengend diese Zeit doch ist. Und dennoch wächst man so sehr mit seinen Herausforderungen. Vielleicht ist man nicht immer Herr der Lage, aber ich bin mir sicher, fast jede Mami gibt ihr Allerbestes für ihr Kind und jede Mami zweifelt mal an sich. Lasst euch nicht entmutigen, von keinem Schub der Welt.

Unser Baby ist jetzt wirklich kein Baby mehr, sondern ein Kleinkind mit eigenem Willen! Dieser Schub und die ersten harten Trotzanfälle sind ein Zeichen davon, dass unser Kind immer mehr seines Selbst entwickelt. Er lernt mehr und mehr, dass er ein eigenes Individuum ist und Menschen (und auch Gegenstände!) nicht immer seinem Willen folgen. Dieser Schub heißt auch der Entwicklungsschub der Prinzipien, denn er lernt, dass die Welt und der Tag von bestimmten Abläufen und Prinzipien geprägt sind, die er nicht kontrollieren kann. Das zu verstehen ist schwer, aber wichtig! Ich habe schon Erwachsene erlebt, die ausrasten, weil etwas nicht funktioniert wie sie es wünschen. Und hier wird nicht nur der Grundstein gelegt, nein – sie erfahren dies zum allerersten Mal. Natürlich macht das sauer! Natürlich können Kinder nicht vom einen Tag auf den anderen ihre Gefühle beherrschen. Linus kann und darf diese zeigen! Die Kinder probieren nun auch Strategien aus, wie sie es doch schaffen können, damit sich die Gegebenheiten doch beeinflussen lassen. Und es ist wichtig, ihnen nun zu zeigen, dass es eben doch Regeln gibt, die sich nicht aufgrund eigener Interessen ändern lassen. Das bedeutet, sie auf die Welt vorzubereiten. Wenn wir unseren Kindern nun liebevoll helfen, das zu verstehen, machen wir nicht nur ihnen, sondern auch uns selbst das Leben leichter. Es ist nicht nur eine Phase, es ist wie bei allem in dieser Zeit der Beginn vom Rest des Lebens. Und jeden Tag wird er ein Stückchen erfahrener und selbstständiger. Es geht vorbei und wird besser und andere Erfahrungen und Sorgen kommen hinzu. Ich bin dennoch immer froh, sein Begleiter sein zu dürfen. Und ich bin dankbar, dass man das alles heutzutage so leicht nachschlagen und erfahren kann! Es macht das Mamasein zwar nicht immer leichter, aber es hilft uns, zu verstehen und damit die beste Version von Eltern zu sein, die wir sein können.

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